Ein Food Forest, auch als Waldgarten bezeichnet, ist ein Agro Forst System, das die Struktur und Vielfalt eines natürlichen Waldes nachahmt, jedoch gezielt auf essbare Pflanzen ausgerichtet ist. Die Idee stammt aus der Permakultur und verbindet ökologisches Gärtnern mit einer hohen Ertragsvielfalt – nachhaltig, ressourcenschonend und nahezu im Einklang mit der Natur.
Was ist ein Food Forest?
Ein Food Forest ist im Grunde ein mehrschichtiges Garten-Ökosystem, das aus verschiedenen Pflanzenarten besteht, die miteinander in Symbiose leben. Dabei werden mehrere Ebenen genutzt, ähnlich wie in einem Wald. Häufig ist ein Food Forest in 7 Ebenen aufgeteilt, die ausschließlich auf Pflanzen basieren.
Mittlerweile werden auch die anderen wichtigen Bestandteile eines Waldes mit in die Planung eines Waldgarten einbezogen. Dazu zählen Pilze und Tiere. Gerade an schattigen feuchten Stellen gedeihen viele Pflanzen schlecht – aber Speisepilze, wie Seitlinge und Shitake-Pilze benötigen kein Licht und geben einen wertvollen Ertrag. Ihr Myzel hilft, organisches Material abzubauen und so die Bodenfruchtbarkeit zu erhöhen. Nutztiere wie Hühner oder in großen Food Forests auch Schweine, können dazu beitragen Schädlinge zu bekämpfen und manche Wege frei zu halten. Sie profitieren von herabfallenden Früchten und Insekten und können je nach System weitgehend autark in einem Food Forest leben und ernährt werden.
Wer seinen essbaren Wald von vorn herein gut plant, der kommt auch um ein sinnvolles Wassermanagement nicht drum rum. Wer dauerhafte Teiche und Seen im Waldgarten integriert, der kann auch die Wasserpflanzen-Ebene und Wassertier-Ebene mit einplanen und somit ein noch resilienteres System schaffen. Beispiele wären Wasserkastanien, Wasserkresse, Karpfen und Forellen.
Die 7 Ebenen eines Waldgarten
- Baumschicht: Obst- und Nussbäume
- kleine Baumschicht: kleine Obstbäume und große Sträucher
- Strauchschicht: Beerensträucher
- Krautschicht: Gemüse, Kräuter und Stauden
- Bodendecker: Pflanzen, die den Boden vor Austrocknung schützen und Unkraut unterdrücken
- Wurzelebene: Knollen- und Wurzelgemüse
- Rankpflanzen: Kletterpflanzen, die sich an Bäumen und Gerüsten emporziehen
Dieses System funktioniert weitgehend selbstregulierend – die Pflanzen, Tiere und Pilze unterstützen sich gegenseitig, verbessern den Boden, locken Nützlinge an, wehren Schädlinge ab und reduzieren den Pflegeaufwand erheblich.
Beispiele für Pflanzen und Tiere im Waldgarten
- Bäume: Apfel, Kirsche, Walnuss, Esskastanie
- kleine Bäume: Holunder, Sanddorn, Felsenbirne
- Sträucher: Heidelbeere, Johannisbeere, Blaubeere
- Kräuter und Stauden: Minze, Rhababer,
- Bodendecker: Erdbeeren, Waldmeister, Bärlauch, Taglilie
- Wurzeln & Knollen: Topinambur, Meerrettich, Zwiebeln, Knoblauch
- Kletterpflanzen: Kiwi, Brombeeren, Wein
- Pilze: Austernseitlinge, Shitake-Pilze, Braunkappen
- Landtiere: Hühner, Laufenten, Schweine
- Wasserpflanzen: Taro, Wasserkresse, Wasserkastanie
- Wassertiere: Karpfen, Forellen, Krebse
Wer nach bestimmten Pflanzen sucht, die eine gewisse Nische im Food Forest erfüllen sollen, der kann in der Datenbank von PFAF(Plants for a future) nach unzähligen Eigenschaften filtern.
Vorteile eines Food Forests
Ein Waldgarten vereint ökologische, praktische und ästhetische Vorteile in einem einzigen System. Er liefert ganzjährig frische, vielfältige Lebensmittel – von Beeren und Nüssen bis hin zu Kräutern und essbaren Blüten – und das mit deutlich weniger Pflegeaufwand als ein herkömmlicher Garten. Durch den mehrschichtigen Aufbau entsteht ein stabiles, sich selbst regulierendes Ökosystem, das Wasser besser speichert, den Boden vor Erosion schützt und die Artenvielfalt fördert. Gleichzeitig bindet ein Food Forest deutlich mehr CO₂ als herkömmliche Agrarsysteme, verbessert das Mikroklima und bietet Lebensraum für zahlreiche Tiere und Insekten. So entsteht ein fruchtbarer, klimafreundlicher Garten, der Mensch und Natur gleichermaßen zugutekommt.
- Hohe Artenvielfalt: Durch die Kombination verschiedener Pflanzenarten entsteht ein stabiles, resilientes Ökosystem.
- Geringer Pflegeaufwand: Einmal etabliert, benötigt ein Waldgarten weniger Pflege als ein herkömmlicher Gemüsegarten.
- Ganzjährige Erträge: Durch die Vielfalt an Pflanzen gibt es fast das ganze Jahr über etwas zu ernten.
- Bodengesundheit: Dauerhafte Bepflanzung schützt und verbessert die Bodenstruktur.
- Klimaschutz: Bäume und Sträucher binden CO₂, fördern Biodiversität und wirken positiv auf das Mikroklima.
Anlegen eines Food Forests
Der Weg zu einem eigenen Waldgarten beginnt mit einer guten Planung. Zunächst wird der Standort analysiert – Sonneneinstrahlung, Bodenbeschaffenheit, Feuchtigkeit und vorhandene Vegetation spielen eine entscheidende Rolle. Danach erfolgt die Auswahl der Pflanzen in mehreren Schichten: hohe Bäume wie Walnuss oder Apfel, Sträucher wie Johannisbeere oder Haselnuss, Kletterpflanzen wie Weinreben, eine Krautschicht mit Kräutern und Gemüse, Bodendecker wie Erdbeeren sowie Wurzel- und Pilzschicht.
Beim Anlegen sollte auf Mischkultur, regionale Sorten und Pflanzen mit unterschiedlichen Erntezeiten geachtet werden, um das ganze Jahr über Erträge zu erzielen. Wege und Beete werden so angelegt, dass sie sowohl die Pflege erleichtern als auch das Wasser optimal im Boden halten. Eine Mulchschicht schützt den Boden, unterdrückt Unkraut und versorgt die Pflanzen kontinuierlich mit Nährstoffen. Mit Geduld und Beobachtung wächst der Waldgarten Jahr für Jahr zu einem robusten, ertragreichen Ökosystem heran.
- Standortanalyse: Lichtverhältnisse, Bodenbeschaffenheit und Klima prüfen.
- Pflanzplanung: Geeignete Arten für jede Schicht auswählen – idealerweise eine hohe Anzahl robuster, heimischer Sorten.
- Pflanzabstände beachten: Damit sich jede Ebene gut entwickeln kann.
- Mulchen und Bodenaufbau: Schutz vor Erosion und Förderung des Bodenlebens.
- Geduld haben: Ein Food Forest entwickelt sich über mehrere Jahre zu seiner vollen Pracht.
Pflege von Waldgärten
Ein Waldgarten ist weit weniger pflegeintensiv als ein klassischer Nutzgarten, er braucht aber dennoch Aufmerksamkeit – vor allem in den ersten Jahren. Junge Pflanzen müssen regelmäßig gegossen und vor Konkurrenz durch schnell wachsende Unkräuter geschützt werden, bis sie sich etabliert haben. Mulchen ist dabei ein zentrales Element: Eine dicke Schicht organischen Materials hält Feuchtigkeit im Boden, unterdrückt Beikräuter und fördert das Bodenleben.
Auch im reifen Food Forest ist gelegentliches Eingreifen sinnvoll. Dazu gehört das gezielte Zurückschneiden von Bäumen und Sträuchern, um Licht in untere Schichten zu bringen, abgestorbenes Holz zu entfernen und das Wachstum zu lenken. Bodendecker können ausgetauscht oder ergänzt werden, wenn sie sich zu stark ausbreiten oder Lücken entstehen.
Durch Beobachtung im Jahresverlauf lässt sich erkennen, welche Pflanzen gut gedeihen und welche Unterstützung brauchen. Ein gesunder Waldgarten lebt von einem stabilen Gleichgewicht – die Pflege besteht also weniger im ständigen Eingreifen, sondern vielmehr im feinfühligen Lenken der natürlichen Prozesse.
Fazit
Ein Food Forest bzw. Waldgarten ist mehr als nur ein Garten – er ist ein lebendiges, sich selbst erhaltendes Ökosystem, das gesunde Lebensmittel liefert, Lebensraum für Tiere bietet und die Umwelt schont. Mit etwas Planung und Geduld kann jeder einen solchen essbaren Wald anlegen, sei es im großen Maßstab oder sogar im kleinen Hausgarten. Es ist eine langfristige Investition in die eigene Ernährungssicherheit und in die Gesundheit unseres Planeten.





