Pilze zu sammeln ist für viele ein besonderes Naturerlebnis – es verbindet Bewegung an der frischen Luft, das Entdecken spannender Lebensräume und den Genuss aromatischer Wildpilze. Doch gerade für Anfänger gilt: Sicherheit geht vor! Wer sich mit Pilzen noch nicht auskennt, sollte nur sammeln, was eindeutig bestimmt werden kann – denn einige Arten sind giftig oder sogar tödlich. Für die Neulinge gibt dieser Beitrag eine erste gute Übersicht welche Speisepilze anfängerfreundlich sind.
Grundregeln für Einsteiger
- Nur bekannte Pilze sammeln
Der wichtigste Grundsatz: Nur das ernten, was zweifelsfrei bestimmt werden kann. Auch wenn ein Pilz appetitlich aussieht, kann er gefährlich sein. Selbst erfahrene Sammler stoßen auf Arten, die schwer zu unterscheiden sind. Als Anfänger sollte man sich auf wenige, sichere Arten beschränken und neue Arten nur nach eindeutiger Bestimmung in die Küche holen. - Bestimmungsbuch oder App nutzen
Ein qualitativ hochwertiges Pilzbuch mit detailreichen Fotos und Beschreibungen ist unverzichtbar. Es sollte nicht nur das Aussehen des Pilzes, sondern auch ähnliche Arten und ihre Unterschiede zeigen. Pilzbestimmungs-Apps können eine gute Ergänzung sein, ersetzen aber nicht die Fachliteratur, da Bilder allein oft nicht ausreichen. - Frisch halten beim Transport
Pilze sind empfindlich und verderben schnell. Ein luftiger Korb ist ideal, da er die Pilze belüftet und Druckstellen verhindert. Plastiktüten sind ungeeignet, weil sich Feuchtigkeit staut, was zu schnellerem Verderb und Schimmelbildung führt. - Schonend ernten
Pilze sind die Fruchtkörper eines unterirdischen Pilzgeflechts (Myzel). Dreht man den Pilz vorsichtig heraus oder schneidet ihn knapp über dem Boden ab, bleibt das Myzel unbeschädigt. So kann der Pilzbestand langfristig erhalten bleiben.
Geeignete Anfänger-Pilze
Einsteiger beginnen am besten mit leicht erkennbaren Arten wie Hexenröhrling, Steinpilz, Pfifferling, Krause Glucke und Judasohr.
Dieser Beitrag soll eine erste Inspiration sein und keinesfalls als eindeutige Bestimmungsgrundlage!
Wer sich nicht sicher bei der Bestimmung ist, der lässt die Pilze stehen oder macht eine Pilzführung mit. Diese sind auf der Website der Gesellschaft für Mykologie zu finden. Alternativ können gesammelte Pilze bei Beratungsstellen bewertet werden. Diese findet man hier.
Flockenstieliger Hexenröhrling (Neoboletus erythropus / Neoboletus luridiformis)
Ein kräftiger Röhrling mit samtig braunem Hut und rötlichen Röhren, die bei Druck intensiv blau anlaufen. Der Stiel ist gelblich mit markanten, roten Flocken überzogen. Er wird roh als giftig eingestuft, gegart jedoch sehr geschätzt. Verwechslungsgefahr besteht mit dem Satansröhrling, der ein auffällig helleren Hut hat und mit ungenießbaren Röhrlingsarten.
Verwechslung: Mit giftigen Satansröhrlingen, die helleren Hut und unangenehmen Geruch haben.
Fundort: Laub- und Mischwälder, oft bei Eichen, Buchen oder Fichten, von Spätfrühling bis Spätherbst.
Geschmack: Aromatisch, kräftig und würzig, besonders gebraten.

Fichtensteinpilz (Boletus edulis)
Dieser begehrte Speisepilz hat einen hell- bis dunkelbraunen, samtigen Hut mit weißem Hutrand, weiße bis gelbliche Röhren und einen kräftigen, hellen Stiel mit feinem, weißlichem Netz. Er ist leicht zu bestimmen, kann aber mit dem bitter schmeckenden Gallenröhrling verwechselt werden, der ein dunkleres Netz hat und bitter ist.
Verwechslung: Bitterröhrling (schmeckt extrem bitter) oder Gallenröhrling – beide sind ungenießbar.
Fundort: Misch- und Nadelwälder, oft bei Fichten, Kiefern und Buchen, von Juni bis Oktober.
Geschmack: Mild-nussig, festfleischig – einer der beliebtesten Speisepilze.

Pfifferling (Cantharellus cibarius)
Leuchtend gelber, trichterförmiger Pilz mit welligem Hutrand und dicklichen Leisten statt Lamellen. Festes, innen weißes Fleisch, oft mit fruchtigem Aprikosenduft.
Verwechslung: Mit dem giftigen Falschen Pfifferling, der weichere Lamellen hat und innen innen orange statt weiß ist.
Fundort: Saure Böden in Nadel- und Mischwäldern, von Juni bis Oktober.
Geschmack: Pfeffrig-würzig mit feiner Fruchtnote.

Krause Glucke (Sparassis crispa)
Auffällig durch ihr großes, blumenkohlartiges, stark gekräuseltes Aussehen. Wächst meist am Stammfuß von Kiefern.
Verwechslung: Kaum möglich – ggfs. mit der goldgelben Koralle, welche aber auch essbar ist.
Fundort: Vor allem in Kiefernwäldern, oft auf totem oder geschwächtem Holz, Spätsommer bis Herbst.
Geschmack: Zart, mild-nussig, nimmt Gewürze gut auf.

Judasohr (Auricularia auricula-judae)
Dünnfleischiger, ohrförmiger Pilz, braun bis rötlich, gallertartig und elastisch. Bleibt auch getrocknet formstabil.
Verwechslung: Mit anderen Gallertpilzen, die jedoch ungenießbar sind.
Fundort: Vor allem an Holunderbäumen, aber auch an anderen Laubhölzern, das ganze Jahr über.
Geschmack: Mild, fast neutral – eher für seine knackige Konsistenz geschätzt, besonders in Suppen und Wok-Gerichten.

Naturschutz beachten
Pilze sind nicht nur Lebensmittel, sondern auch ein wichtiger Bestandteil des Ökosystems. Sie zersetzen organisches Material, bilden Symbiosen mit Bäumen und dienen Tieren als Nahrung. Deshalb gibt es in vielen Regionen Sammelbeschränkungen – meist 1–2 Kilogramm pro Person und Tag. Außerdem sollte man nie einen ganzen Bestand abernten, damit Pilze sich weiter ausbreiten können. Sammeln sollte nur an unbelasteten Orten geschehen, fern von Straßen, Industriegebieten oder intensiv bewirtschafteten Feldern, um Schadstoffbelastung zu vermeiden.
Tipp: Beim Sammeln hilft ein kleiner Spiegel um für die Bestimmung unter den Hut schauen zu können, ohne den Pilz zu ernten.
Fazit
Pilze sammeln kann ein bereicherndes Hobby sein, das Naturerlebnis und Genuss miteinander verbindet. Wer langsam beginnt, sich gründlich informiert und im Zweifel lieber verzichtet, kann die Welt der Pilze sicher entdecken. Geführte Pilzwanderungen oder Pilzkurse sind für Einsteiger ideal, um praktische Bestimmungstipps zu erhalten. So lässt sich Schritt für Schritt eine fundierte Pilzkenntnis aufbauen – und die Freude am Finden, Bestimmen und Zubereiten wächst mit jeder Tour.





